Im Tal der Feitelmacher

11.08.2020

Die Späne fliegen mir um die Ohren, als die Klinge den Haselnussstecken zuspitzt. Im Nu ist mein selbstverzierter Wanderstock einsatzbereit. Noch schnell den Jausenspeck, Bergkäse und das Brot in die rotweißrote Decke einschlagen, den Feitel zusammenklappen und los geht es.

Der Taschenfeitel - ein österreichisches Taschenmesser mit jahrhundertealter Herstellertradition. Ein Messer, das von seinem Herstellungsort im Trattenbachtal um die Welt zog.

Heute ist im Trattenbachtal das "Tal der Feitelmacher" beheimatet. Ein bezauberndes und lebendiges Museum, das auf einer Gesamtstrecke von 1,5 km durch das wildromatische Tal führt und von Wasser, Holzkohle, Scharsachstahl und Feuer erzählt. Noch 1751 stellten hier 14 Werkstätten etwa 3 Millionen Feitel pro Jahr her und verschickten diese in die weite Welt.

Nach der langen Corona-Lockdown-Zeit beschließen wir dem vereinsgeführten Museum einen Besuch abzustatten. Bereits beim Telefonat ist die Dame bemüht, trotz der momentan aufregenden Covid19-Zeit, einen gemeinsamen Termin zu finden. Obwohl samstags derzeit Sperrtag ist, haben wir Glück. Es sind 4 Gäste angesagt und wir dürfen uns anschließen.

Lackgeruch dringt in meine Nase während mein Blick über die uralten Maschinen, die nachwievor im Einsatz sind, streift. Der letzte Fabrikant der original Trattenbacher Taschenfeitel öffnet dem neugierigen Besucher seine Werkstatt und gibt Einblick in die jahrhundertalte Handwerkskunst. Mindestens 34 Arbeitsgänge waren seinerzeit für ein Feitel notwendig. Heute sind es immerhin noch 18. Kuriose Exponate, wie der kleinste Feitel der Welt, reihen sich neben altertümliche Maschinen und halten die Erinnerung im Museum in der Wegscheid am Leben. Übrigens, der größte Feitel der Welt findet sich am Beginn des Tals.

Geschichten aus längst vergangenen Tagen begleiten unseren Weg. Sie erzählen von einem verschwundenen Schloss, von einer Schule beim Bäcker und einem Sägewerk im Garten. Sie erzählen von Erfolg und Niedergang, von der stärksten Frau in der Runde und von alten Zauckerlschmieden.

Beim Schleifer am König ist bereits eingeheizt. Mit ohrenbetäubendem Lärm saust der Original Fausthammer immer und immer wieder auf den Stahl. Dank Schleifstein und Blasbalg erhält die Klinge in unzähligen Handgriffen ihre unverwechselbare Form und Schärfe.

Beim Drechsler fliegen die Späne. Mir fällt wieder mein Haselnussstecken ein. Kaum zu glauben, dass hier einst 17 Hämmer unüberhörbar am Werk waren und rund 45 unterschiedliche Sorten Feitel in mühsamen Arbeitsschritten herstellten. Bis Afrika gingen die Klappmesser auf Reisen. Ich frage mich nur, wie seinerzeit die Boten aus Afrika den Weg bis in diese verwunschene Gegend gefunden haben, um die Bestellung zu deponieren. Mails waren zu jener Zeit noch lange nicht in Sicht.

Zum Schluss versucht sich mein Chef an der Herstellung seines eigenen Feitels, der uns ab jetzt immer auf unseren Reisen begleiten wird. Die Verzierung mit dem Brennstab ist dann doch Frauenarbeit. Persönlicher geht es nicht mehr.

Auf ins Tal der Feitelmacher. Für persönliche Führungen stehen die netten Damen jederzeit gerne - auch in der jetzigen Corona-Zeit - zur Verfügung. Wir können den Ausflug nur wärmstens empfehlen. Egal ob in der Kleingruppe oder mit dem Reisebus - apropos Bus, die gibt es bei uns. Derzeit ab 10 Personen. Gerne erstellen wir das Programm, am besten mit Übernachtung.

Fotos von FotografinRenate - Tourismus- und Pressefotografin, Text: Renate Stigler